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Klimawandel
In den vergangenen 10.000 Jahren hat sich die Gestalt der Nordseeküste gewaltig verändert. Auch für die Zukunft sind Veränderungen wahrscheinlich und anzunehmen. Der Treiber dieser Veränderungen ist die Klimaentwicklung. Der Wirkungszusammenhang von Klima, Meer und Küste ist so direkt wie nur denkbar: Würden zum Beispiel die Eismassen, die heute etwa 30 Mio. km3 der Südwasservorräte der Erde binden, auf einmal schmelzen, müssten nach Berechnungen des International Panel on Climate Change mit einem globalen Meeresspiegelanstieg um 71 Meter gerechnet werden. Vom Einfluss der Winde auf Sturmfluten war bereits die Rede.



Die durchschnittliche Klimakurve mit Maxima und Minima veranschaulicht die klimatische Entwicklung der letzten 1000 Jahre. Dem Klima entsprechend schwankt auch das Mittlere Tidehochwasser.

Ein natürlicher Prozess ...

Der Anstieg des Meeresspiegels ist Teil der natürlichen warmzeitlichen Entwicklung. Die gegenwärtige Warmzeit begann vor etwa 11.500 Jahren und erreichte ihren Höhepunkt vor etwa 6.000 Jahren. Danach wechselten leichte Abkühlungen und Wiedererwärmungen einander ab. Seit etwa 1650 unserer Zeitrechnung steigt das MThw wieder leicht an, zwischen 20 und 25 cm im Jahrhundert.

Zum Vergleich: Zu Beginn der vorherigen Eem-Warmzeit stieg das Wasser um vier Meter im Jahrhundert. Anhand dieser Vergleichsgrößen lässt sich folgern, dass wir uns in der Spätphase einer Warmzeit mit gemäßigtem Temperaturanstieg befinden.

... mit menschlicher Verstärkung

Allerdings: Bei der gegenwärtigen Entwicklung ist zu berücksichtigen, dass der Mensch seit etwa 1850, mit dem Beginn industrieller Emissionen und des Massenverbrauchs fossiler Energieträger, erstmalig spürbar in die natürliche Klimaentwicklung eingegriffen hat, mit bislang noch nicht eindeutig absehbaren Folgen. Anhand aktueller Klimamodelle lässt sich erkennen, dass zwischen 1900 und 2000 die Temperaturkurve insgesamt um 0,5 bis 1 Grad Celsius anstieg und somit eine leichte Erhöhung der global gemittelten Temperatur und des Meeresspiegels zu verzeichnen ist. In einzelnen Regionen stehen bereits traditionelle Produkte oder Produktionsmethoden der Landwirtschaft in Frage, weil kleinklimatische Bedingungen und Wasserangebot sich verändern oder ihre Stabilität verlieren. Ob diese Veränderungen Vorboten von weitaus schlimmeren Abweichungen sind, lässt sich zur Zeit noch nicht bestimmt erkennen.

Klimatische Veränderung durch den Treibhauseffekt

Bis 2100 scheinen jedenfalls eine zunehmende Erwärmung (je nach Prognose um 1,8 bis 4 Grad C) und ein zunehmender Meeresspiegelanstieg wahrscheinlich.

Außerdem hat in den letzten Jahren die Häufigkeit von Stürmen an der Nordseeküste zugenommen. Damit stellen sich in unserer Region zwei wesentliche Faktoren für Sturmflutereignisse kritisch dar. Es stellt sich daher die Frage nach zukünftigen Herausforderungen des Küstenschutzes und zugleich seiner Finanzierbarkeit.

Klimawandel und Elbe

Im Elbgebiet lässt sich im Verlauf der letzten 50 Jahre ein Temperaturanstieg um 0,5 Grad im tschechischen Teil und 1 Grad im deutschen Teil feststellen. Diese Entwicklung geht einher mit einer längeren und häufigeren Verweildauer von Hochdruckwetterlagen über dem Elbgebiet, wodurch vor allem im Sommer die Häufigkeit niederschlagsfreier Perioden zunahm. Zugleich erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit von Niedrigwasser in den trockenen Sommermonaten.

Weniger Wasser vom Oberlauf?

Für die nächsten 50 Jahre wird mit einer weiteren Zunahme der Niedrigwasserhäufigkeit und -dauer 
gerechnet, verbunden mit einem Temperaturanstieg von 1,4 Grad. Aber eine Entwarnung wäre fehl am Platz: Zu dem Szenario zunehmender Hitze und Trockenheit gehört auch immer die Möglichkeit plötzlicher Starkregen.

Steigende Pegel in Tidebereich

Zwischen 1900 und 2000 stieg das mittlere Tidehochwasser am Pegel Cuxhaven im  Schnitt um 0,25 cm pro Jahr an. Dieser Vorgang ist inzwischen soweit erkundet, dass Prognosen möglich sind. Die Schwankungsbreite dieser Prognosen – für den globalen Anstieg des Meeresspiegels bis 2100 werden zurzeit Werte zwischen 9 cm und 88 cm angegeben – deuten jedoch auf viele noch bestehende Unsicherheiten hin. Zum wichtigsten Sturmflutfaktor, den regionalen Sturmereignissen, sind detaillierte Einschätzungen heute noch nicht möglich. Immerhin deutet die Statistik der letzten Jahre an, dass bis 2100 die Zahl der Stürme und möglicherweise auch der Sturmstärken um rund 10 % zunehmen könnte.

Entwicklung des Meeresspiegels am Pegel Cuxhaven

Entwicklung des Meeresspiegels am Pegel Cuxhaven.
Messwerte (1850–2000) und Prognose (bis 2100) des Mittleren Tidemittelwassers. Quelle: Generalplan Küstenschutz Schleswig-Holstein

Für den Küstenschutz bedeutet diese Sachlage eine besondere Herausforderung. Deiche sind kostenintensive Bauwerke, die möglichst lange ohne weitere Ertüchtigungen funktionsfähig bleiben und die erwünschte Sicherheit garantieren sollen. Daher ist in die Sollhöhe der Deiche (auch „Bestick“ genannt, sie leitet sich von der sog. „Bemessungssturmflut“ ab) ein Zuschlag für mittelfristige klimabedingte Wasserstandserhöhungen eingestellt worden. Er liegt im Durchschnitt der Gesamtregion bei ca. 30 cm zusätzlicher Sturmflutscheitelhöhe, bezogen auf die prognostizierten Wasserstände in rund 100 Jahren.

Höhere Deiche, häufigere Prüfungen

Darüber hinaus wurde die Arbeitsweise des Küstenschutzes den neuen Erkenntnissen angepasst. Künftig werden die Bemessungsgrundlagen aller Hochwasserschutzanlagen in einem kürzeren Rhythmus als früher – nämlich alle 10 Jahre – überprüft. Dabei werden nicht nur die jeweils aktualisierten Wasserstandsprognosen herangezogen, sondern auch die tatsächlichen Entwicklungen der Wasserstände und des Sturmflutablaufs. Auf diese Weise liegt der periodischen Sicherheitsüberprüfung jeweils eine aktuelle und besondere lokale Bedingungen berücksichtigende Bemessungshöhe zugrunde.

Langfristig stellt sich natürlich die Frage, ob dem Meeresspiegelanstieg allein durch weitere Deicherhöhungen begegnet werden kann. Möglicherweise zwingen Grenzen der Finanzierbarkeit zu Ergänzungen und Innovationen. Experten weisen heute schon darauf hin, das beispielsweise durch die bedarfsweise Flutung naturnaher Polder im oberen Bereich der Elbe bei Sturmfluten eine Absenkung der Sturmflutscheitel entlang der gesamten Tideelbe um ein bis zwei Dezimeter erreicht werden könnte.