Zukunft Elbe Startseite Luftbild Elbeästuar
Handel und Schifffahrt
Die Elbe blickt auf eine lange Geschichte als Schifffahrtsstraße zurück. Seit dem 12. Jahrhundert war sie Bestandteil eines kontinentalen Handelssystems und erlaubte der Hanse ein Vordringen bis fast an die Mittelgebirge. Vor der Vollendung eines durchgängigen Eisenbahnnetzes blieb sie als Verkehrsweg konkurrenzlos. Die Erfindung der Dampfmaschine und die Ende des 18. Jahrhunderts aufkommenden Dampfschiffe vereinfachten und beschleunigten den Transport. Für die Handelsmetropole Hamburg gewannen der Hafen, die Elbe und die Anbindung an das Meer enorme Bedeutung. Der Seehandel bildet noch immer ihr wirtschaftliches Rückgrat. Aber auch die Hamburger Industrie und die Industrieregionen Stade und Brunsbüttel nutzen den seeschifftiefen Elbstrom zum kostengünstigen Transport ihrer Güter.

Das maschinelle Transportmittel Schiff und seine wachsende Beladungskapazität begannen seit etwa 1850, die Elbe spürbar zu prägen. Mit dem Eisenschiffbau wurden die bis dahin limitierenden Faktoren im Schiffbau überwunden. Indem durch die Vergrößerung des Transportmittels Schiff die Transportstückkosten gesenkt werden konnten, wurde der Seetransport wirtschaftlich immer attraktiver. Die hohe Stellplatzauslastung führte aber auch zu wachsenden Tiefgängen der Schiffe, wodurch wiederum Fahrrinnenvertiefungen motiviert wurden. Die Zunahme der Schiffsverkehre machte den Bau immer neuer Hafenbecken erforderlich.

Noch im Mittelalter war das Stromspaltungsgebiet der Elbe bei Niedrigwasser zu Fuß passierbar gewesen. Erste Vertiefungsmaßnahmen wurden an Anlegeplätzen und ihren Zufahrten vorgenommen, um größere Schiffe vor dem Trockenfallen zu bewahren.

Hafenbecken, Fahrrinnenvertiefungen ...

Querschnitt durch eine Kaianlage um 1890

Querschnitt durch einen Kai mit Halbportalkran und ein dort liegendes Dampfschiff, um 1890

Mit den neuen „Dampfern“ aus Eisen betrat auch der dampfbetriebene Bagger die Bühne. Mit ihm wurden bis dahin undenkbare Eingriffe in den eigentlichen Strom möglich. Ab 1868 wurde die Elbe im Hamburger Raum auf fünf Meter vertieft. 1897 folgte die Vertiefung auf sechs Meter und 1910 auf acht Meter. Der Zehn-Meter-Ausbau wurde um 1930 begonnen und in den 1950er Jahren abgeschlossen. Diese Ausbaumaßnahmen betrafen nur die obere Tideelbe, da in der mittleren und unteren Tideelbe die Tiefen noch ausreichten.
Eimerkettenbagger Donar
Starke Flusskrümmungen wurden abgeschwächt und an sehr breiten Stellen wurde durch ufernahe Strombauten der Durchfluss gebündelt, um gleichmäßigere Fließ-
geschwindigkeiten zu erreichen, die dann für eine natürliche  Ausräumung  der Fahrrinne sorgen. Ebenso wurde im Interesse der Schifffahrt der Fahrweg verkürzt, indem Schlingen und Mäander abgeschnitten und der Verlauf der Fahrrinne begradigt wurde.

Holzmodell des Eimerkettenbaggers „Donar“ von 1870

Alle hier beschriebenen Maßnahmen haben zur Veränderung der Tideelbe beigetragen. Und sie traten in Wechselwirkung mit den Folgen anderer Eingriffe. So führten die wiederholten Vertiefungen zu einer Verstärkung des sohlnahen Stromauftransports der Sedimente. Die Sedimente, ihrerseits aufgrund der  entfallenen Seitenräume in der Fahrrinne zusammengeballt, gelangen so mit der Tide weiter stromaufwärts und in erheblich größerer Menge bis in den Hafen. Das Zuschütten der Hafenbecken für neue Umschlagsflächen in jüngster Zeit reduziert wiederum die noch zur Verfügung stehende Sedimentationsfläche und erhöht den Räumungsbedarfs an den noch verbleibenden Sedimentationsorten.

Wassertiefen in Fahrrinnenmitte
Elbe: Wassertiefen in Fahrrinnenmitte. Quelle: GKSS, Sedimenttransportgeschehen 2007

Wassertiefe und Sauerstoffgehalt

Ein lebendiges Gewässer braucht Sauerstoff. Er wird über die Wasseroberfläche durch Gasaustausch aus der Luft eingetragen sowie durch Photosynthese treibende Algen in der durchlichteten oberen Wasserschicht (1 bis 2 m) produziert. Eine Sauerstoffzehrung findet in der gesamten Wassersäule, also auch in den tieferen „dunklen“ Bereichen durch den temperaturabhängigen, mikrobiellen Abbau organischer Substanzen (z.B. aus Abwässern und abgestorbener Biomasse) statt. Durch eine Vertiefung wird das sauerstoffzehrende Volumen vergrößert, der Sauerstoffeintrag bleibt nahezu unverändert. Die nachteiligen Auswirkungen zunehmender Wassertiefen auf den Sauerstoffhaushalt bleiben jedoch begrenzt, wenn durch starke Strömungsturbulenzen die Wasserkörper aus den tieferen, sauerstoffarmen Schichten immer wieder an die Oberfläche gewirbelt werden und dort Sauerstoff aufnehmen. In der Tideelbe kommt es zu solchen Strömungsturbulenzen.

Eine durchgreifende Verbesserung des Sauerstoffhaushaltes der Unterelbe kann vor allem durch die Schaffung zusätzlicher Flachwasserbereiche (auch durch Unterwasserablagerungen von Baggergut) erzielt werden.