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01.04.2010
HHLA leidet unter zu geringer Tiefe der Elbe
Reeder lassen verstärkt Schiffe bei Konkurrenten löschen. Die Hamburger wollen deshalb ihr kleinstes Terminal vorübergehend stilllegen.
Die Wettbewerbsposition des börsennotierten Logistikkonzerns HHLA aus Hamburg leidet unter der für große Containerschiffe zu geringen Tiefe der Elbe. „Die verzögerte Elbvertiefung macht uns massiv zu schaffen", sagte Vorstandschef Klaus-Dieter Peters gestern bei der Präsentation der Bilanz 2009. Die HHLA habe zunehmend Schwierigkeiten, große Schiffe an ihren Terminals im Hamburger Hafen abzuwickeln. Als Konsequenz leiten die Reeder ihre Ladung um. Davon profitiert vor allem der niederländische Rivale Rotterdam, aber auch Antwerpen in Belgien. Im Gegensatz zu Hamburg liegen beide Häfen am Meer. Peters sieht einen „kritischen Punkt" erreicht: Für eine weitere Verschiebung der geplanten Elbvertiefung hätten besonders die wichtigen asiatischen Reedereien kein Verständnis. „Hohe bürokratische und gesetzliche Hürden" verzögerten das Vorhaben. Derzeit führt das Bundesverkehrsministerium das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren zur Planfeststellung durch.
Die Elbe ist nicht durchgängig tief genug für Containerriesen, die mehr als 10 000 Standardcontainer transportieren und einen Tiefgang von 14,5 Metern aufweisen. „Die bei der Fahrrinne eingetretene Verzögerung bis 2011 muss das letzte Wort in dieser Sache sein", fordert Frank Horch, Präses der Hamburger Handelskammer. Widerstand kommt von Umweltverbänden und betroffenen Kommunen, die Schäden für das Ökosystem Elbe fürchten.
Peters rechnet für das Jahr 2010 mit einem weiter sinkenden Umsatz. Als Grund nannte der HHLA-Chef gestern „schlechtere Erlöse im Feedervolumen" und „Preisdruck auf Nebenleistungen" wie der Lagerung von Containern. Feederschiffe bringen die Fracht der Containerriesen vom Hamburger Hafen an ihren Zielort in der Ostsee-Region. Der HHLA-Chef prognostiziert einen „Umsatz leicht unter Vorjahr in Reichweite von einer Mrd. Euro". Analysten hatten im Schnitt mit einem Plus von acht Prozent gerechnet. Der Kurs der Aktie gab gestern deutlich nach und machte das HHLA-Papier zum MDax-Verlierer.
Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Hamburger Erlöse in Höhe von 991 Mio. Euro - ein Minus von gut 25 Prozent im Vergleich zu 2008. Das Betriebsergebnis aus fortgeführten Aktivitäten halbierte sich auf 177,7 Mio. Euro. Die maritimen Wirtschaftsketten seien von der Wirtschaftskrise „besonders betroffen", beklagte der Vorstandschef. Durch Sparen allein könne der Preisdruck wohl nicht ausgeglichen werden. Daher dürfte der Gewinn operativ und unter dem Strich unter dem Ergebnis von 2009 liegen. Die Rendite (Ebit-Marge) soll aber prozentual zweistellig bleiben, im Jahr 2009 lag sie bei 18 Prozent. Um die Kosten weiter zu reduzieren und Entlassungen nach Auslaufen der Kurzarbeit Mitte 2011 zu verhindern, verhandelt das Unternehmen mit dem Betriebsrat über „eine Neugestaltung der Arbeits- und Ablauforganisation". Ein Ergebnis erwartet Peters bis Mitte des Jahres. Das kleinste HHLA-Terminal CTT soll zwischenzeitlich keine Container mehr umschlagen. Die Dividende sinkt im Vergleich zum Vorjahr von einem Euro auf 40 Cent pro Aktie. Die Hansestadt Hamburg hält knapp 70 Prozent der Anteile.

Mark Christian Schneider, Handelsblatt 1.4.