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26.04.2010
Die dicken Pötte kommen wieder, aber nicht mehr voll beladen
Reeder nehmen eingestellte Liniendienste erneut auf - Charterraten steigen.

Der Schiffsbetrieb im Hamburger Hafen spürt eine deutliche Belebung. Zahlreiche Fahrtdienste aus Fernost, die in der Krise wegen mangelnder Fracht eingestellt wurden, kehren zurück. Insbesondere im zweiten Quartal zeichnet sich eine deutliche Besserung ab.
"Wir haben wieder mehr Dienste und damit auch mehr Schiffe im Hafen", sagte Bengt van Beuningen, Sprecher der Hafen Hamburg Marketing. Ab dieser Woche wird die United Arab Shipping Company (UASC) aus Kuwait ihren Fernostdienst nach Europa wieder aufstocken, den sie während der Krise halbiert hatte. Zehn Schiffe mit einem Ladevermögen von 7000 Standardcontainern sollen von nun an regelmäßig von Asien über den Mittleren Osten und Rotterdam nach Hamburg pendeln.
Auch für den April hat die Nippon Yusen Kaisha Line (NYK) die Einrichtung eines neuen "Loops" nach Asien angekündigt. Es folgen Anfang Mai die Hanjin Shipping aus Seoul und Mitte Mai die größte israelische Frachtschifffahrtsgesellschaft ZIM mit neuen Diensten.
Erst kürzlich haben die Containerreedereien PIL Pacific International Lines (Singapur) und Wan Hai Lines (Taiwan) den Containerliniendienst FES von Fernost nach Nordeuropa wieder aufgenommen. Der seit 2004 bestehende FES-Service war Ende 2008 wegen verminderter Nachfrage aufgrund der Weltwirtschaftskrise eingestellt und durch gemietete Stellplätze auf anderen Schiffen ersetzt worden.
Die dicken Pötte kommen wieder, haben aber zunehmend Probleme mit der Wassertiefe der Elbe. Manche Schiffe können derzeit nur mit der Flut ein- und auslaufen oder die Revierfahrt mit geringerer Ladung antreten. Internen Listen zufolge müssen schon Schiffe ab einer Kapazität von 8500 Standardcontainern in Rotterdam einen Teil ihrer Container an der Kaikante abstellen, bevor sie nach Hamburg weiterfahren. Laut der Aufstellung betrifft es derzeit mehr als 20 Prozent der Schiffe. Deshalb sieht die Hafenwirtschaft die Elbvertiefung als existenziell an.
Dass wieder mehr Schiffe in Fahrt sind, lässt sich auch an anderen Zahlen ablesen: So berichten die Analysehäuser FeriEuroRating Services und Deutsche FondsResearch (DFR) in der neuesten Ausgabe des Newsletters "ShippingResearch", dass sich die Beschäftigungssituation deutscher Fondsschiffe deutlich aufhellt. Um rund 40 Prozent ging die Zahl der Auflieger über alle Schiffstypen auf aktuell 81 Schiffe zurück. Noch im November 2009 waren 135 KG-Schiffe ohne Charter. "Das Extra Slow Steaming, also die extrem langsame Fahrt vieler Schiffe, macht sich positiv bemerkbar. Denn so werden mehr Schiffe gebraucht, um den Warenfluss auf den Schifffahrtsrouten konstant zu halten. Zusätzlich machen die anziehenden Fracht- und Charterraten eine Inbetriebnahme aufgelegter Schiffe für die Besitzer wieder attraktiver", sagt Matthias Brinckman, Geschäftsführer der Deutschen FondsResearch.
Weltweit sind laut Lloyd's List Intelligence zurzeit 48 Rohöltanker, zehn Gastanker und 18 Massengutfrachter ohne Beschäftigung. Bezogen auf die Weltflotte von etwa 5350 Tankern und 7500 Bulkern ist das eine vernachlässigbare Anzahl.
Auch im Hamburger Hafen, wo mehr als ein Dutzend Schiffe das Ende der Krise abwarteten, gibt es keine Auflieger mehr. "Der letzte ist am 8. April abends ausgelaufen", sagte ein Sprecher der Hamburg Port Authority. Dennoch herrschen im Containersegment weiter große Überkapazitäten.
455 Containerfrachter oder 8,9 Prozent der Weltcontainerflotte sind immer noch beschäftigungslos. Aber die Charterraten ziehen wieder an: Zum Teil liegen sie bis zu 54 Prozent über ihren Tiefständen im vergangenen Jahr.

Welt 26.04.2010, Martin Kopp