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27.07.2010
HWWI-Studie stützt Forderung nach Elbvertiefung
Wissenschaftler warnen auch vor sinkendem Containerumschlag der Feederdienste und sehen Hafen als Drehkreuz gefährdet.
Die von der Hafenwirtschaft geforderte Elbvertiefung sorgte in der vergangenen Woche für Schlagzeilen, nachdem Wei Jiafu, der Chef der größten chinesischen Reederei Cosco, Bundeskanzlerin Angela Merkel gewarnt hatte, die seewärtige Zufahrt zum Hamburger Hafen reiche für Schiffe mit 12 000 Standardcontainern nicht aus. Jetzt erhält die Diskussion um die umstrittene Fahrrinnenanpassung durch eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) neue Nahrung. Sie war von der Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) in Auftrag gegeben worden, einer ihrer drei Autoren ist der Wirtschaftsprofessor Michael Bräuninger.
In der Studie heißt es, die Fahrrinnenanpassung habe für den Hamburger Hafen nicht nur deshalb eine besonders große Bedeutung, weil im Zuge des technischen Fortschritts zunehmend Containerschiffe mit einer Kapazität von mehr als 10 000 Standardcontainern (TEU) und einem entsprechend größeren Tiefgang im Linienverkehr zwischen Europa und Asien, dem größten Handelspartner Hamburgs, eingesetzt werden.
Die Anpassung sei auch wegen weiterer wichtiger Gründe notwendig. Dazu zähle zum einen das Containeraufkommen der Feederdienste zu den Nord- und Ostseehäfen. Hier profitiere Hamburg von der guten Anbindung zu den schnell wachsenden Wirtschaften des Baltikums und Osteuropas.
Feederverkehre und Liniendienste würden sich aber gegenseitig bedingen. So werde für Liniendienste der Hamburger Hafen als Ziel gewählt, weil der Weitertransport schnell und günstig erfolge. Umgekehrt seien die Feederdienste von den aus Übersee ankommenden beziehungsweise den nach Übersee verschifften Containern abhängig. Dies bedeute, dass bei einem Rückgang des Verkehrs im Liniendienst auch der Feederverkehr deutlich zurückgehen und der Hamburger Hafen seine Funktion als Drehscheibe verlieren würde, so die Autoren der Studie.
Hinzu komme, dass sich der Wettbewerb zwischen den Häfen gerade in dem Segment der großen Schiffe abspielen werde. Als Reaktion auf die Wirtschafts- und Schifffahrtskrise 2008/09 hätten die Reedereien verschiedenste Maßnahmen zur Kostensenkung unternommen, wozu vor allem der vermehrte Einsatz neuer, große Containerschiffe und die Verschrottung kleinerer Schiffe zählten.
Im Wettbewerb der Häfen habe Hamburg bisher Größenvorteile gehabt. Das hohe Umschlagvolumen erlaube eine effizientere Bündelung und Beladung von Zügen im Hinterlandverkehr und von Feederschiffen. Hohe Umschlagzahlen seien somit aus zwei Gründen für Hamburg erstrebenswert. Erstens korrespondierten sie tendenziell mit hohen Einnahmen der hamburgischen Hafenbetriebe, zweitens verschafften sie dem Hafen Hamburg einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Hafenstandorten.
Der Hansestadt kommt in puncto Umschlagvolumen zugute, dass sie sich inmitten einer Metropolregion mit mehr als vier Millionen Menschen befinde, sodass allein hierdurch ein beträchtliches Umschlagvolumen als gesichert angesehen werden könne. Diese Zuverlässigkeit mache Hamburg auch für die Liniendienste der Containerreedereien interessant. Ein Wettbewerbsvorteil erwachse Hamburg vor allem dann, wenn im Vergleich zu den Konkurrenzhäfen größere Umschlagzahlen für bestimmte Herkunfts- oder Zielregionen der Containerverkehre vorliegen.
Aufgrund der geografischen Lage Hamburgs und der Größenvorteile stelle Hamburg für zahlreiche Regionen in Deutschland, Osteuropa und Skandinavien das kostengünstigste Drehkreuz der Nordrange dar. Sollte der Hafen diese Funktion als Drehkreuz verlieren, so würde dies zu höheren Transport- und Handelspreisen und damit zu Wohlstandsverlusten für diese Regionen führen.
Mit dem Verlust der Drehkreuzfunktion wären auch für die Metropolregion Hamburg große Nachteile verbunden, so die Studie. Der Hafen habe aufgrund intersektoraler Verflechtungen eine hohe Bedeutung für die Wertschöpfung und die Zahl der Arbeitsplätze in Hamburg und in der Metropolregion. Er habe zudem Ausstrahlungskraft auf zahlreiche Wirtschaftszweige, insbesondere auf solche, die im Zusammenhang mit Hamburgs Lage am Wasser zu sehen seien.

Welt, Michael Schneider