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21.10.2011
Hafen muss zukunftsfähig bleiben
Die für das kommende Jahr geplante Elbvertiefung wird, wie berichtet, teurer als bislang angenommen. Das hat Wirtschaftssenator Frank Horch jüngst bestätigt.
Harburger Anzeigen und Nachrichten: Gestern kam bei uns Hamburgs BUND-Geschäftsführer Manfred Braasch zu Wort, heute nimmt Jochen Winand, Vorstandschef der Süderelbe AG, zur neuen Lage Stellung.
HAN: Herr Winand, die Elbvertiefung wird nach Schätzungen des BUND deutlich mehr als 500 Millionen Euro kosten. Rechnet sich das für Hamburg noch?
Jochen Winand: Der BUND ist ein Lobbyverein und vertritt die  Interessen seiner Mitglieder oder Klientel und äußert sich selektiv. Das  ist legitim. Die Kostenschätzung scheint mir unklar und mindestens  tendenziös. Das ist nicht verwunderlich. Der Hamburger Hafen ist eine  der wichtigsten Lebensadern für Wirtschaft und Arbeitsmarkt der gesamten Metropolregion Hamburg. Die Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Hamburger Hafens ist eine wichtige Gemeinschaftsaufgabe für Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Warum braucht Hamburg die Elbvertiefung?
Die Kunden von Hafennutzungen erwarten eine leistungsfähige und  zeitgemäße Infrastruktur. Wer diese vorhält, ist zukunftsfähig, wer nicht, verabschiedet sich vom Markt. Diese Fahrrinnenanpassung, denn die Elbe wird nicht "vertieft", ist notwendig und überfällig, um die  aktuellen und zukünftigen Marktbedarfe zu erfüllen. Der Tiefgang der  nächsten und übernächsten Schiffstypen wird nicht zunehmen, die Schiffe werden breiter.

Was halten Sie von der Idee des "Norddeutschen Hafenkonzepts" mit
Wilhelmshaven und Bremen, anstatt alles nur mit der Hamburger Brille zu sehen?
Ein Norddeutsches Hafenkonzept ist zwingend notwendig, damit sich die unterschiedlichen Häfen auf ihre Stärken und Kernkompetenzen
konzentrieren können. Die Norddeutschen Küstenregionen sind bereits im Gespräch, ein gemeinsames Maritimes Cluster ist vor Kurzem auf den Weg gebracht worden. Allein im Bereich der Unterelbe wird seit Längerem kompetent und effizient an gemeinsamen Lösungen gearbeitet.

Mit der Elbvertiefung und Containerflut kommen auf den Hamburger Süden große Verkehrsbelastungen zu. Wie sollte diesem Problem begegnet werden? Ist ein Tunnelsystem tatsächlich realistisch?
Durch die Fahrrinnenanpassung allein entstehen keine erhöhten
Verkehrsbelastungen. Das zunehmende Wirtschaftswachstum insgesamt in Norddeutschland und insbesondere Hamburg als verkehrlicher Knotenpunkt zwischen Skandinavien und Mitteleuropa wird zu erheblichen Verkehrsbelastungen führen. Die angestrebten Maßnahmen wie A26/Hafenquerspange, A20 und A21 sind nicht zu verzögern, sondern zu beschleunigen. Jedes mögliche Konzept zur Bewältigung der
Wirtschaftsverkehre in der Zukunft muss ernsthaft und kompetent bedacht und geprüft werden. Hierzu gehört insbesondere auch eine privat finanzierte Idee des Abtransportes von und zum Hamburger Hafen mit dem Tunnelsystem von Herrn Dr. Marnette. Es reicht schon lange nicht mehr zu erklären, was nicht geht, sondern einen Beitrag zu leisten zu dem, was geht!

Wohin sollte der Elbschlick Ihrer Meinung nach gebracht werden? Ist
Moorburg der richtige Standort?
Ich bin persönlich über die Schlicklösung in Moorburg nicht glücklich.
Ich empfinde eine Hafenlösung oder Industrieansiedlung an diesem
Standort sinnvoller. Da der Hafenschlick faktisch irgendwo sinnvoll
gelagert werden muss, scheint diese zwischenzeitliche Schlick-Nutzung
verständlich.

21.10.2011, Julia Heitmann, www.han-online.de