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15.11.2011
Hamburger Hafen zieht an Antwerpen vorbei
Rückschläge aus der Krise teilweise wieder aufgeholt – Im kommenden Jahr wird trotz Euro- und Schuldenkrise ein Containerwachstum bis zu sieben Prozent erwartet – Hafenbahn dürfte in diesem Jahr erstmals die Zwei-Millionen-Grenze knacken
In der Krise hatte Hamburg den zweiten Platz der größten europäischen Containerhäfen eingebüßt. Aber zum ersten Mal seit 2008 hat der Hafen seine alte Position hinter Rotterdam zurückerobert. Von Januar bis September steig der Umschlag um 15,3 Prozent auf 6,8 Millionen Standardcontainer (TEU). Damit holte Hamburg den Konkurrenzhafen Antwerpen ein, der nur um 3,1 Prozent zulegen konnte. Das teilte die Marketing-Gesellschaft des Hafens (HHM) am Montag mit. "Hamburg arbeitet daran, seine Marktanteile zu erhöhen", sagte Vorstand Claudia Roller. Aber noch habe der Hafen nicht die Position des Jahres 2008 erreicht. Roller ist zuversichtlich und erwartet für das gesamte Jahr 2011 im Hamburger Hafen ein zweistelliges Wachstum im Containerumschlag von knapp 14 Prozent: "Für 2011 können wir mit einem Containerumschlag von rund 9 Millionen TEU rechnen."
Im Seecontainerverkehr kommt Hamburg in Europa aktuell auf einen Marktanteil von 23,7 Prozent, deutlich hinter Rotterdam (31,7 Prozent) und knapp vor Antwerpen (23,0 Prozent). Die bremischen Häfen erreichen 15,7 Prozent, Zeebrügge kommt auf sechs Prozent. Auffällig ist, dass Rotterdam, Antwerpen und zu einem kleinen Teil auch Bremen dem Hamburger Hafen seit 2008 Marktanteile abgenommen haben. In diesem Jahr sind Hamburg und Bremen erstmals gegenüber den beiden Konkurrenten gewachsen. Für das kommende Jahr erwartet die Hafenmanagerin im Containerbereich vor dem Hintergrund einer leichten konjunkturellen Abschwächung ein "solides Wachstum" von sechs bis sieben Prozent. Einen Hinweis darauf, das es auch im kommenden Jahr weiteres Wachstum gibt, sieht Roller in der Tatsache, dass die für Hamburg wichtigen Auslandsmärkte China, Asien, Amerika und die Länder im Ostseeraum derzeit nicht erwarten lassen, dass Einbrüche im seeseitigen Außenhandel bevorstehen. Die Zunahme in den ersten neun Monaten sei überraschend gewesen. Sogar die Prognose des Bremer Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) sei übertroffen worden. Der gesamte Seegüterumschlag in Hamburg wird 2011laut Roller rund 133 Millionen Tonnen erreichen. Dass wäre ein Plus von knapp zehn Prozent. Das Ergebnis der ersten drei Quartale 2011 zeige in allen drei Umschlagbereichen, also Massengut, Stückgut und Containerumschlag , ein Wachstum. Hamburg profitiert insbesondere vom Warenverkehr mit China und dem Verkehr nach Mittel- und Osteuropa. Der Hafen erfülle eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Ostasien und Europa. China ist der größte Handelspartner und für rund ein Drittel des Containerumschlags verantwortlich. Dieser Umschlag wuchs in den ersten neun Monaten um knapp 12Prozent. Russland schob sich mit einem Zuwachs von 41 Prozent auf den zweiten Platz der Handelspartner vor; mit Finnland (plus 30 Prozent), Schweden (plus 13 Prozent) und Polen (plus 36 Prozent) befinden sich drei weitere Ostsee-Länder unter den Top Ten der Handelspartner des Hamburger Hafens . Alle Fahrtgebiete im Containerverkehr Hamburgs entwickelten sich in den ersten neun Monaten positiv und erreichten Mengenzuwächse, so Roller. Die Hafenbahn hat bis September 1,55 Millionen TEU befördert, und es sehe so aus, als ob die Zwei-Millionen-Marke in diesem Jahr erreicht werde. Auf der Importseite ermittelte HHM in den ersten drei Quartalen ein Umschlagergebnis von rund 58 Millionen Tonnen(plus 11,6 Prozent). Der Export via Hamburg entwickelte sich mit 41 Millionen Tonnen (plus 9,2 Prozent) ebenfalls positiv. Der in Hamburg dominierende Stückgutumschlag zeigt mit einem Umschlagergebnis von 69 Millionen Tonnen einen sehrstarken Zuwachs von 14,7 Prozent. Der Massengutumschlag legte um 1,9 Prozent auf 30 Millionen Tonnen zu, so Roller. Es sei ein Kennzeichen für die Attraktivität des Hafens, dass sich Im- und Export bei den Containern ausgeglichen entwickelt hätten. Auf der Importseite wurden in den ersten drei Quartalen 2011 in Hamburg 3,5 Millionen TEU (plus 15,6 Prozent) und auf der Exportseite 3,3 Millionen TEU (plus 14,9 Prozent) umgeschlagen. "Ich freue mich ganz besonders darüber, dass Hamburg seine Position in Nordeuropa als der führende Feederhafen für den gesamten Ostseeraum durch zahlreiche neue Feederdienste und ein ganz hervorragendes Mengenwachstum eindrucksvoll untermauert", sagte Roller. Wenn jetzt noch die lang erwartete Projekte, wie die Fahrrinnenpassung der Elbe oder die Modernisierung und Erweiterung des Nord-Ostsee-Kanals zeitnah umgesetzt würden, gebe es für Hamburg als den europäischen Universalhafen mit industrieller Prägung auch weiterhin hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten. Speziell im Hinblick auf die zahlreichen Containerschiffe mit Tragfähigkeiten von mehr als 10 000 TEU sei die Elbvertiefung wichtig. Der Anlauf durch diese Dickschiffe hat sich in diesem Jahr auf 211 verdreifacht. "Wir müssen davon ausgehen, dass das 14000-TEU-Schiff zum Regelschiff wird", sagte Roller.


Stefan Maaß
Welt