Zukunft Elbe Startseite
30.03.2012
Der Hamburger Hafen ist auf Erfolgskurs
Wichtiger Umschlagplatz für den Welthandel – Wachstumsmotor für Norddeutschland – Wettbewerbsvorteil für die deutsche Exportwirtschaft
Der Hamburger Hafen ist heute eine der weltweit wichtigsten Drehscheiben für transkontinentale Transport- und Logistikketten. Er ist Europas bedeutendster Asienhafen und belegt gleichzeitig die Spitzenposition bei den Ostseeverkehren. Dabei bündelt der traditionsreiche Hafenstandort die Warenströme des Welthandels mit seinem europäischen Hinterland, das eine Bevölkerung von mehr als 300 Millionen Einwohnern umfasst. Hamburgs dynamischer Wachstumskurs nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, welcher der Stadt ihre angestammten Märkte in Mittel- und Osteuropa zurückbrachte, wurde von der Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 nur kurz unterbrochen. Inzwischen hat der Hafen, gerade auch beim Containerumschlag, in die Erfolgsspur zurückgefunden und in den letzten beiden Jahren überdurchschnittlich zulegen können.

Zweitgrößter Containerhafen
Mehr als 130 Mill. Tonnen wurden im Jahr 2011 auf den Terminals und Anlagen von Deutschlands größtem Hafenumgeschlagen, eine Steigerung um 9,1% gegenüber dem Vorjahr. Als Universalhafen deckt Hamburg alle Gütergruppen ab. Die dominierende Rolle spielt dabei allerdings der Container. Auf ihn entfallen mittlerweile schon fast 70% des Gesamtaufkommens. Rund 30% sind Massengüter wie Erz, Kohle oder Getreide. Wachstumstreiber war erneut der Container. So verzeichnete der Hafen der Elbmetropole ein Plus von 14,2% auf jetzt mehr als 9 Mill.
Standardcontainer,während die 20 größten Häfen der Welt im Jahr 2011 im Schnitt nur um 7,9% zugelegt haben.
Nach Rotterdam ist Hamburg der zweitgrößte Containerhafen Europas, im Weltranking verbesserte er sich von Platz 15 auf Platz 14. Mit dem Container fokussiert sich Hamburg auf das wachstumsstärkste Segment im internationalen Warenaustausch. Dabei hat sich in den letzten Jahren die Faustformel bestätigt, dass der Containerverkehr um den Faktor 2 bis 3 schneller wächst als die Weltwirtschaft.
Eindrucksvolle Zahlen skizzieren die wirtschaftliche Bedeutung des Hamburger Hafens: Er steht für rund 150000 Arbeitsplätze, das ist jeder achte Arbeitsplatz der Stadt. Mit einem hafenabhängigen Bruttoinlandsprodukt von über 13 Mrd. Euro entfällt rund ein Siebtel der Hamburger Wertschöpfung auf den Hafen. Sein Steueraufkommen von über 800 Mill. Euro pro Jahr ist zudem eine bedeutende Einnahmequelle des Stadtstaates. Dank seiner hervorragenden verkehrsgeografischen Lage dient Hamburg als Drehscheibe zwischen zwei der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt – den Volkswirtschaften in Asien mit China, die heute für bereits 57% des Hamburger Containerumschlags stehen, sowie den aufstrebenden Staaten in Mittel- und Osteuropa einschließlich Russlands. Mehr als 100 Containerliniendienste erschließen den Weltmarkt. Über 50 Zubringerdienste im Europaverkehr, vor allem über die Ostsee, sorgen für eine kostengünstige und leistungsstarke Anbindung Polens, der baltischen Staaten, Russlands sowie der skandinavischen Volkswirtschaften.

Bedeutender Eisenbahnhafen
Aber nicht nur zur See bietet der Hamburger Hafen ein umfassendes Netzwerk. Als bedeutendster Eisenbahnhafen Europas erschließt er sein weites europäisches Hinterland über den Verkehrsträger Bahn. Mehr als 70% der Güter erreichen und verlassen den Hamburger Hafen im Fernverkehr auf der auch ökologisch vorbildlichen Schiene. Rund 12%des deutschen Schienengüterverkehrs haben ihre Quelle oder ihr Ziel in Hamburg, beim Containertransport sind es sogar 34%. Dabei ist die Lage über 100 Kilometer tief im Binnenland wirtschaftlich wie ökologisch von großem Vorteil. Im Vergleich zu den Benelux-Häfen spart der Transport über Hamburg bei der Verbindung mit Mittel- und Osteuropa in wichtigen Relationen 200 bis über 400 Kilometer Landweg. Dies führt zu einer ganz erheblichen Einsparung von Kosten, Energieaufwand und Umweltbelastung.
Hamburg verdankt seine Bedeutung nicht allein seiner günstigen verkehrsgeografischen Lage. Hinter diesem Erfolg steht die Wettbewerbsstärke der Unternehmen in der maritimen Logistik. Sie gründet auf ein umfassendes Know-how in allen Bereichen, das sich nicht zuletzt auf das hohe Niveau von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen stützt, sowie auf eine Vielzahl von technischen und operativen Innovationen.
Beispielhaft dafür ist der Containerumschlag. So war der Burchardkai, größter und ältester Containerterminal Hamburgs, Pionier nicht nur bei Terminal-EDV, Datenfunk und der Satellitenortung der Container auf der Anlage. Hier wurde auch erstmals der Van-Carrier eingesetzt, ein Spezialfahrzeug zum Containertransport auf dem Terminal, das den Container gleichzeitig auch heben und damit stapeln kann. Der Van-Carrier ist mittlerweile Standard auf den meisten großen Containerterminals in Europa.

Hoher Automatisierungsgrad
Den aktuellen Maßstab für die Leistungsfähigkeit, Automatisierung und Nachhaltigkeit eines Terminals repräsentiert Hamburgs jüngste und modernste Anlage, der HHLA Container Terminal Altenwerder (CTA). Mit seinem hohen Automatisierungsgrad und seinem ständigen Weiterentwicklungsprozess definiert der völlig neu konzipierte Hightech-Terminal seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 2002 den "State of the Art" in der Terminaltechnologie.

Pilotversuch "Null Emission"
Den jüngsten Innovationsschritt markiert der 2011 erfolgreich abgeschlossene Pilotversuch "Null Emission". Zusammenmit dem Hersteller Gottwald Port Technology hat der CTA zwei seiner fahrerlosen Automatikfahrzeuge für den Containertransport mit Lasten von bis zu 60 Tonnen für den elektrischen Betrieb umgerüstet. Das Projekt, bei dem auch die Batterie der Fahrzeuge vollautomatisch ausgewechselt wird, bedeutet einen Durchbruch für die Elektromobilität im Wirtschaftsverkehr. Da der CTA seinen Strom aus erneuerbaren Energien bezieht, setzt diese Art des Terminalbetriebsauch Maßstäbe für den Klimaschutz in der maritimen Logistik. Für den Erfolg Hamburgs aber noch entscheidender sind Art und Qualität seiner Hinterlandanbindungen. Hier spielen die Containerbahnhöfe auf allen vier großen Containerterminals in Hamburg eine zentrale Rolle. Mit Gleislängen von jeweils 700 Metern können sie kompletteContainerzüge abfertigen. Zusammen mit modernen Terminals im Hinterland, die ideal auf die Prozessanforderungen der maritimen Logistik abgestimmt sind, lassen sich so effiziente Hub-und-Shuttle-Systeme aufbauen. Dabei verkehren Shuttle-Züge in regelmäßigem Takt zwischen Seehafenterminal und großen Inlandterminals, die als Bündelungspunkteund Drehkreuze (Hubs) für die regionale Verteilung und Sammlung der Warenströme dienen.

Leistungsstarke Logistikkette
Auf diese Weise werden die Verkehrsträger Schiff, Bahn und Lkw zu leistungsstarken logistischen Ketten verknüpft. Tschechien und die Slowakei sind bereits mit derartigen Systemen an den Hamburger Hafen angebunden. Mit großem Erfolg: Allein zwischen Hamburg und Prag pendeln wöchentlich mehr als 70 Shuttlezüge. Über 70% des seewärtigen Außenhandels Tschechiens gehen über den Hamburger Hafen, mehr als 75% nehmen dabei den Schienenweg. Im polnischen Posen wurde 2011 ein erster solcher Hub-Terminal in Betrieb genommen. Weitere sollen folgen.
Zusammen mit seinen europäischen Zubringerverkehren auf dem Seeweg bietet Hamburg ein ebenso umfassendes wie zukunftsweisendes Netzwerk zwischen Überseehafen und europäischem Hinterland. Diese Qualitäten bringen erheblicheKosten- und Effizienzvorteile für die europäische Wirtschaft, nicht zuletzt auch für die deutsche Exportwirtschaft. Damit diese Wettbewerbsstärke erhalten bleibt, muss die wasser- wie landseitige Infrastruktur den neuen Herausforderungen begegnen. Die Fahrrinnenanpassung der Unterelbe ist dabei das derzeit drängendste Projekt. In der Gesamtbilanz ist es übrigens auch für den Klima- und Umweltschutz im europäischen Güterverkehr von herausragender Bedeutung.
Nur so können die verkehrsgeografischen Vorteile Hamburgs und die jeweils ökologisch verträglichsten Verkehrsträger Schiff und Schiene beim Welthandel mit Mittel- und Osteuropa optimal genutzt werden. Auch die Schieneninfrastruktur mussdem wachsenden Bedarf folgen. Die Realisierung der sogenannten Y-Trasse, die Bremen und Hamburg besser an das Netz ab Hannover anbindet, ist hier unverzichtbar.
Der Hamburger Hafen hat sich auf ein weiteres Wachstum der Weltwirtschaft längst eingestellt. So können seine vier großen Containerterminals ihr Umschlagvolumen durch Ausbau und Modernisierung gegenüber dem heutigen Stand fast verdreifachen und in den kommenden 10 bis 15 Jahren schrittweise eine Jahresleistung von bis zu 25 Mill.Standardcontainern erreichen. Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Leistungsstärke gehen hierbei eine enge Verbindung ein. Weitere technische und operative Innovationen, die stetig steigende Flächenproduktivität sowie eine noch engere Verzahnung aller Prozesse entlang der Transport- und Logistikkette sind die Bausteine des zukunftsorientierten Wachstumskurses, mit welchem der Hamburger Hafen der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung flexibel, bedarfsgerechtund ressourcenschonend folgt.
Klaus-Dieter Peters, Börsen-Zeitung 23.3.2012