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09.01.2009
Hamburger Hafen investiert in der Krise
HHLA: Zwei neue Liegeplätze für die größten Containerfrachter der Welt.

Trotz Konjunkturkrise forciert Hamburg den Hafenausbau: In einem Großprojekt werden jetzt gleichzeitig zwei Liegeplätze am größten Hamburger Containerterminal, dem Burchardkai, ausgebaut.

Nach einer europaweiten Ausschreibung haben die Hochtief Construction AG und die F+Z Baugesellschaft, beide mit Sitz in Hamburg, den Zuschlag für den Auftrag über 73 Millionen Euro erhalten.

Nach der Fertigstellung des zweiten Liegeplatzes für Großcontainerschiffe am Burchardkai der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) im August 2008 folgen nun Liegeplatz drei und vier mit einer Wassertiefe von je 16,7 Meter. Mit den beiden neuen Liegeplätzen soll die Kapazität des Terminals bei fast unveränderter Fläche auf mehr als 5,2 Millionen Standardcontainer (TEU) verdoppelt werden. Von der zweiten Jahreshälfte 2012 an werden so im Waltershofer Hafen 1470 Meter an neuen Kaimauern bereitstehen. "Wir müssen antizyklisch investieren, um für den kommenden Aufschwung vorbereitet zu sein", sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Axel Gedaschko gestern dem Abendblatt. Noch bis zum Ende der Legislaturperiode 2012 sind daher für den Hafenausbau jährlich 250 Millionen Euro vorgesehen.

Die neuen Kaimauern werden vor die derzeit vorhandenen gesetzt und sind so stark konstruiert, dass an jedem Liegeplatz fünf Containerbrücken aufgestellt werden können. Mit ihnen lassen sich die größten derzeit eingesetzten Containerfrachter abfertigen. Die Brücken, von denen die HHLA bereits seit September fünf einsetzt, sind für Europa einmalig. Jede kann gleichzeitig mit einer Bewegung zwei 40-Fuß-Container laden oder von Bord holen.

Der Ausbau des Terminals gehört zu den Maßnahmen, mit denen die HHLA die Kapazitäten ihrer drei Terminals auf mehr als zwölf Millionen TEU ausweitet. "Die neuen Liegeplätze sind ein wichtiger Baustein, um unserer internationalen Reederkundschaft eine ausreichende Zahl von Tiefwasserliegeplätzen bieten zu können", sagt HHLA-Vorstand Stefan Behn. "Auf dem neuen Kaimauerabschnitt werden wir eine höchstmögliche Umschlagleistung erzielen und so zur effizienten Flächennutzung im Hamburger Hafen beitragen."

Bis zum Jahr 2015 soll die Kapazität im gesamten Hamburger Hafen - einschließlich des Ausbaus des Eurogate-Terminals - 18,1 Millionen TEU erreichen. "Das Projekt bei der HHLA ist nun ein weiterer Baustein für diesen Ausbau", sagt Jens Meier, Geschäftsführer der Hamburg Port Authority (HPA), die den Auftrag vergeben hat. Neben der geplanten Elbvertiefung und der Hafenquerspange als Verbindung der Autobahnen 1 und 7 soll der Hafen mit weiteren Vorhaben auf den Wettbewerb mit Rotterdam, Antwerpen und Bremerhaven gerüstet werden. Geplant ist: Der Aufbau eines fünften Containerterminals im Mittleren Freihafen auf Steinwerder. Hier soll "bis Anfang Februar eine Entscheidung fallen", sagte Michael Ahrens, der Sprecher der Wirtschaftsbehörde dem Abendblatt. Dabei wird es darum gehen, wie die auf dem Areal ansässigen Hafenfirmen künftig neu angesiedelt oder entschädigt werden können.

Die Instandsetzung und Erweiterung der Hafenbahn soll für 76,4 Millionen Euro bis Ende 2009 vorerst abgeschlossen werden. Ziel: Von den für 2015 erwarteten gut 18 Millionen TEU etwa ein Viertel mit Güterzügen abzufahren. "Speziell beim langfristig angelegten Ausbau der Hafeninfrastruktur", verspricht Wirtschaftssenator Gedaschko, "lassen wir die Ziele und Erfordernisse des Hafens nicht aus den Augen."

Hamburger Abendblatt, 9.1.2009, Rolf Zamponi